So adorable

Der heißeste Lauch

Dass ich in Sachen Internetphänomene allzeit mehrere Jahrzehnte hinterherhänge, zeigt sich sehr offensichtlich darin, dass mir erstmals 2020 die Idee kam, einen Blog zu schreiben.

Aber auch alles andere rund um die digitale Welt erreicht meine Bewusstseinssphäre mit deutlicher Verspätung. Tief in meinen Inneren muss ich mir wohl eingestehen, dass ich niemals über Nintendo herausgekommen bin und bereits beim Trend Tamagotchi nicht mehr verstanden habe, was das eigentlich soll.

Insofern ist es wirklich fraglich, ob ich die richtige Expertise aufweise, um Dinge zu besprechen, die man in diesem “Internetz” findet.

Falls Du Dich aber ähnlich paläolithisch fühlst wie ich, dann hast Du vielleicht Freude an meiner aktuellen “Entdeckung”, denn der Podcast, den ich derzeit höre, existiert schon seit Juni 2019 und wurde schon vor exakt einem Jahr in der Zett angepriesen. Es ist also alles andere als ein Geheimtipp.

(In Wirklichkeit habe ich ihn auch gar nicht selber entdeckt, sondern meine coole urbane Social Media Freundin hat ihn mir empfohlen. Egal.)

Das Gerät mit dem ich üblicherweise Podcasts höre. (Bild von Studio Vectronom auf Pixabay)

Die Rede ist von der unfassbar komischen Sendung “Gefühlte Fakten” von Christian Huber und Tarkan Bagci.

Wem die Namen (ähnlich wie mir… Hust) auf Anhieb nichts sagen: Beide Jungs schreiben hauptberuflich Gags (zum Beispiel für Jan Böhmermanns Neo Magazin Royale) und Christian Huber hat außerdem noch ein paar sehr kurzweilige Bücher geschrieben. Humor ist also sowas wie ihr Beruf.

Im Prinzip handelt es sich bei ihrem Podcast um ein (völlig ungeplant wirkendes) Gespräch zwischen den beiden Comedy-Autoren, in welchem sie deutlich assoziativ gelockert (und in meiner Phantasie definitiv unter Alkoholeinfluss) absurde Geschichten, Fun Facts und irre Ideen austauschen.

Die Sujetwechsel sind plötzlich und unvorhersehbari – innerhalb weniger Minuten können sie von halb erfundenen Dönekens über den Nachbarn, zu schrägen und spontanen Thesen über zeitgeschichtliche Ereignisse, zu großen philosophischen Themen wechseln (“Wie groß ist eigentlich der Regenwald?”). Auch Hitler spielt immer mal wieder eine Rolle. Die von ihnen verbreiteten Thesen sind ungeprüft und öfter mal auch nicht ganz korrekt, da kokettieren Huber und Bagci jedoch knallhart mit dem Titel ihrer Sendung.

Die Titel der Sendungen (z.B. ,”Die perfekte Jogginghose” oder “Sexy Feuerwehr”) sind so random wie die Gesprächsinhalte und beides (Titel und Inhalt) hat im Prinzip nichts miteinander zu tun (so wie der Titel dieses Artikels, der ein wörtliches Zitat aus dem Podcast ist, nichts mit dem Inhalt zu tun hat). So wie ein paradoxer Clickbait oder so.

Dabei ist das Ganze im Stil eines lockeren Gesprächs zwischen zwei Kumpels am Tresen gehalten, was den Hörer*innen das großartige Gefühl vermittelt, man sei mit Bekannten in der Eckkneipe. Das ist ein Gefühl, das ich im Coronajahr 2020 ziemlich gut gebrauchen und ressourcenaktivierend einsetzen kann.

Ein Podcast wie ein Getränk mit Kumpels. (Bild von Free-Photos auf Pixabay)

Dadurch dass die Jungs (recht charmant und stets unterhaltsam) Details über sich erzählen – welches Shampoo sie benutzen, welche Ideen vom Leben sie haben, sowie lustige biographische Episoden einstreuen – kommt es mir so vor, als würde ich sie kennen. Ich weiß zwar rational, dass das nicht so ist, aber auf einer emotionalen Ebene gehe ich dieser Illusion sehr gerne auf den Leim.

Ich merke beim Durchlesen meiner Zeilen, dass das ziemlich unkonkret wirkt. Zwei Typen, die random Quatsch erzählen und sich selbst (und die Hörer*innen) nicht allzu ernst nehmen. Warum sollte man sich etwas ohne jeglichen intellektuellen Mehrwert anhören?

Ich persönlich bin ein großer Freund von nutzlosem Wissen und davon findet sich tatsächlich eine Menge in den Podcast-Folgen (z.B. interessante Fakten über Gebärdensprache).

Und dadurch dass beide unentwegt über ihre eigenen Scherze lachen, sich gegenseitig verarschen und wirklich, wirklich lustige Geschichten erzählen (die zum Teil so absurd sind, dass allein die Abwegigkeit eine Faszination bewirkt), macht es einfach Spaß zuzuhören.

Ich könnte nach Abschluss einer ca. 50 minütigen Folge zwar im Leben nicht zusammenfassen, welche Themen besprochen wurden, aber ich nehme das Gefühl mit, eine gute Zeit gehabt zu haben.

Und mehr verlange ich aktuell auch gar nicht.

Bild oben von Elena Escagedo auf Pixabay

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